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Test der Woche vom 29.11.2006
PDF-Prüfung: Techniker Krankenkasse

Im zweiten Teil unserer PDF-Testreihe prüfen wir diese Woche ein PDF der Techniker Krankenkasse - und zwar die Ausgabe 4/2006 des Mitgliedermagazins TK aktuell (PDF, 2,2 MB).

Konzept zum Umgang mit PDFs

Die Anforderungen des PDF-Prüfschritts 11.1.1 haben wir bereits in der letzten Woche erläutert. Die erste wichtige Grundvoraussetzung ist, dass der Benutzer über die Zugänglichkeit der angebotenen PDFs informiert wird. Denn wenn man nur durch Ausprobieren feststellen kann, ob PDF-Inhalte zugänglich sind oder nicht, haben barrierefreie PDFs praktisch keinen Nutzen.

Bei der Techniker Krankenkasse steht diese Information in den FAQ. Dort wird der Leser darüber informiert, dass bislang nur das Mitgliedermagazin in barrierefreier Form zur Verfügung steht, dass aber weitere PDF-Dokumente bis Ende 2006 überarbeitet werden sollen. Darüber hinaus werden umfangreiche Informationen zur Nutzung von PDFs angeboten, auch speziell für Menschen mit Sehbehinderungen und für Screenreadernutzer.

Unsere Bewertung des PDF-Konzepts der TK:

  • Leider ist die Information zu PDFs in den FAQ ziemlich schwer zu finden, man muss von der Startseite aus drei Mal klicken, um dorthin zu gelangen. Der Prüfschritt 11.1.1 verlangt jedoch, dass "auf einer von der Startseite aus verlinkten Seite mit Bedienhilfen oder mit Informationen zur Barrierefreiheit einfach und klar gesagt wird, welche PDFs barrierefrei sind".
  • Darüber hinaus hält sich die Techniker Krankenkasse recht bedeckt in Bezug auf ihre weiteren Pläne zum Thema PDF. Die Aussage, dass "bis Jahresende zahlreiche weitere PDF-Dokumente" überarbeitet sein werden, ist nicht ausreichend. Was ist mit neuen PDFs? Welche der vielen bereits vorhandenen PDFs werden überarbeitet und nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt?
  • Auch ist die Zahl der barrierefreien PDFs noch sehr gering.
  • Positiv: bei unserem Test-PDF "TK aktuell" steht direkt an Ort und Stelle klar dabei, dass es zugänglich ist.

Schon das in der letzten Woche vorgestellte Konzept der Deutschen Rentenversicherung war grenzwertig, gerade noch akzeptabel. Das Konzept der Techniker Krankenkasse erfüllt die Anforderungen des Prüfschritts 11.1.1 trotz der durchaus umfangreichen Information aber derzeit noch nicht. Daher würden wir bei einer Gesamtprüfung der Website die direkte Zugänglichkeit der PDFs nicht nur anhand der als barrierefrei gekennzeichneten Dokumente prüfen, sondern eine Stichprobe aus allen angebotenen PDFs ziehen.

Prüfung der direkten Zugänglichkeit

Geprüft haben wir die direkte Zugänglichkeit der PDF-Ausgabe 4/2006 von TK Aktuell (2,2 MB).

1. Getaggt (erfüllt)

Diese erste Ausschlussprüfung besteht das PDF. Über die Brauchbarkeit der Tags ist damit noch nichts gesagt, die wird später in den Prüfschritten 4 und 8 bewertet.

2. Schriftvergrößerung (teilweise erfüllt)

In diesem Prüfschritt wird getestet, ob die Inhalte gut nutzbar bleiben, wenn der Benutzer die Darstellungsoption "Umfließen" wählt. Wichtig ist diese Anforderung vor allem für Nutzer mit Sehbehinderungen.

Bei der "TK Aktuell" ist die Darstellung im Umfließen-Modus insgesamt nicht sehr gelungen:

  • Auf Seite 2 (dort steht eine eigene Anzeige der TK) verschwindet der Text fast komplett.
  • Das Inhaltsverzeichnis auf Seite 3 ist kaum noch verständlich, die Zahlen lassen sich kaum den Abschnitten zuordnen.
  • An vielen Stellen entstehen sehr große Lücken zwischen den Abschnitten, Umbrüche gehen verloren, teilweise fehlen die ersten Buchstaben (zum Beispiel auf Seite 6 das "R" von "Resolution" und das "D" von "Das").
  • An einigen Stellen legen sich Textzeilen über Bilder und werden dadurch schlecht lesbar (beispielsweise auf Seite 10). Teilweise legt sich der Text sogar unter das Bild und ist damit gar nicht mehr sichtbar (wie etwa auf Seite 16).
  • Auf Seite 23 (Mitgliedschaftsantrag) kommt es zu erheblichen Textüberlagerungen, einige Inhalte der Seite werden dadurch komplett unlesbar.

Insgesamt ist die Darstellung aber gerade noch brauchbar, daher wird die Prüfung an dieser Stelle nicht abgebrochen.

3. Formale Mängel (erfüllt)

Die automatische Prüfung meldet extrem viele Fehler. Die meisten stellen zwar kein praktisches Problem dar, trotzdem macht die große Menge keinen guten Eindruck. Zumindest ist die automatische Prüfung als Instrument zur Qualitätssicherung so kaum noch zu gebrauchen.

Die Links des Dokuments werden als nicht zugänglich gemeldet, was wir in diesem Fall allerdings nicht negativ bewertet haben, da alle externen Links in den Lesezeichen wiederholt werden. Dieser Kunstgriff soll Screenreadern den Zugriff erleichtern, da sich diese mit Links in PDF-Dokumenten derzeit leider noch schwer tun (mehr zu diesem Thema im Abschnitt "7. Lesezeichen").

4. Reihenfolge der Tagstruktur (erfüllt)

Die für die korrekte Vorlesereihenfolge durch Screenreader wichtige Reihenfolge der Tags entspricht der visuellen Reihenfolge der Inhalte - der Prüfschritt ist also erfüllt. Mehr zu Thema "Tags" lesen Sie im Abschnitt "8. Strukturiert".

5. Alternativtexte (erfüllt)

Für die zahlreichen Bilder des Magazins stehen teilweise sehr lange und ausführliche Alternativtexte zur Verfügung. Sehr gelungen ist beispielsweise der Alternativtext zum Comic auf Seite 10.

Gelegentlich beschreiben die Alternativtexte nicht nur das jeweilige Bild, sondern sie bieten zusätzliche Hilfen. Insgesamt werden die Texte durch viele verzichtbare Einschübe unnötig aufgebläht. Einige Beispiele für solche Einschübe: "Ersatztext", "Ende Ersatztext", "Textende", "Ersatztext: Ende der Seite und Beiträge zu diesem Thema".

Einige wenige Alternativtexte sind falsch, zum Beispiel trägt ein Bildchen mit der Nummer 19 den Alternativtext "13" (auf Seite 3 im Kasten "Service", "Sicher Reisen") .

6. Tabellen (nicht anwendbar)

Das Magazin enthält keine Datentabellen.

7. Lesezeichen (erfüllt)

Bei den Lesezeichen geht "TK Aktuell" einige Sonderwege. Die Lesezeichen bilden hier nicht nur ein vollständiges Inhaltsverzeichnis des Dokuments, sondern sie bieten darüber hinaus zwei zusätzliche Features:

  1. Es gibt eine Reihe von Funktions-Lesezeichen, mit denen unter anderem direkt aus den Lesezeichen heraus die Umfließen-Funktion aufgerufen werden kann.

    Diese Funktions-Lesezeichen schätzen wir ähnlich ein wie die "Barrierefreiheits-Gimmicks", die viele Anbieter gerne in HTML-Seiten einbauen lassen (Schriftvergrößerungsfunktionen, Styleswitcher, übermäßig viele unsichtbare Sprunglinks und so weiter). Meist wiederholen solche Features lediglich Funktionen, die der Browser ohnehin anbietet, ihre Nützlichkeit ist also eher eingeschränkt. Auf der anderen Seite spricht auch nicht unbedingt etwas gegen sie, solange sie nicht selbst zur Barriere werden (zum Beispiel indem sie die Komplexität erhöhen und den Nutzer verwirren).

    Bei "TK Aktuell" sind die Funktions-Lesezeichen ein Grenzfall. Auch sie wiederholen lediglich Funktionen, die der Nutzer genau so gut direkt über das Adobe-Reader-Menü aufrufen kann. Sie machen die Lesezeichen natürlich etwas weniger übersichtlich, für die meisten Nutzer sind sie sicher zunächst einmal irritierend und möglicherweise verwirrend. Andererseits werden sie recht ausführlich erklärt.

  2. Die externen Links des Dokuments werden in den Lesezeichen wiederholt, um sie für Screenreadernutzer besser zugänglich zu machen. Da Screenreader wie JAWS derzeit Probleme mit der richtigen Umsetzung von Links in PDF-Dokumenten haben, ist das sicher keine schlechte Sache. Der BITV-Test verlangt diesen Workaround jedoch nicht, denn eigentlich haben Lesezeichen einen anderen Zweck: Sie dienen als Inhaltsverzeichnis und sollen damit einerseits einen Überblick bieten und andererseits die gezielte Navigation innerhalb von PDFs ermöglichen. Sie als Sammelbecken für alle Links des Dokuments zu nutzen ist streng genommen ein Missbrauch. Hier sind ganz klar die Screenreader-Hersteller am Zug, sie müssen dafür sorgen, dass korrekt ausgezeichnete Links in PDF-Dokumenten genau so funktionieren wie bei HTML-Seiten.

Vielleicht nicht ideal: Die Zoom-Einstellung wechselt von Lesezeichen zu Lesezeichen sehr stark. Das ist gelegentlich etwas verwirrend, außerdem geht dabei die vom Benutzer eingestellte Zoom-Einstellung immer wieder verloren.

8. Strukturiert (teilweise erfüllt)

Die Strukturierung wirkt etwas lieblos und eher zufällig:

  • Die Überschriften sind ausgezeichnet, allerdings unabhängig von ihrer tatsächlichen Ebene innerhalb der Gesamthierarchie fast alle als <H1>, also als Überschrift erster Ordnung.
  • Absätze sind nicht einzeln mit <P> ausgezeichnet, sondern lange Fließtextblöcke aus mehreren Absätzen oder Aufzählungspunkten werden zu einem einzelnen <P> zusammengefasst.
  • Listen werden nicht mit den entsprechenden Listenelementen ausgezeichnet.
  • Am Ende des Dokuments gibt es sehr viele überflüssige leere Tags.

Da moderne Screenreader die Strukturelemente von PDFs weitgehend so auswerten wie bei HTML-Seiten (also beispielsweise die gezielte Navigation auf Basis der Überschriften ermöglichen), ist es sehr schade, dass bei "TK Aktuell" so wenig Wert auf diese grundlegende Anforderung an Barrierefreiheit gelegt wird.

9. Hauptsprache (erfüllt)

Die Hauptsprache des PDFs ist korrekt als Deutsch angegeben.

Weitere Anmerkungen

Das Dokument scheint sehr resourcenintensiv zu sein, der Adobe Reader reagierte auf mehreren Testrechnern sehr träge. Der Dateiname "mail.pdf" ist irreführend. Das Dokument lässt sich aufgrund eines "Parameterfehlers" nicht als Textdatei exportieren.

Fazit

Das PDF "TK Aktuell" ist offensichtlich mit viel Aufwand aufbereitet worden und kann die meisten Anforderungen unseres PDF-Prüfverfahrens erfüllen. Dennoch gibt es an einigen Stellen Mängel, insbesondere für sehbehinderte Nutzer ist die unbefriedigende Darstellung im Umfließen-Modus eine Hürde.

Generell wäre es aus unserer Sicht besser, sich weniger auf Zusatz-Features wie die Funktions-Lesezeichen zu konzentrieren und dafür mehr Augenmerk auf grundlegende Zugänglichkeitsanforderungen wie die Darstellung im Umfließen-Modus und die korrekte Strukturierung zu legen.

Und wie würde nun die Gesamtbewertung in Prüfschritt 11.1.1 für die TK ausfallen?

Das Konzept ist nicht klar genug, deshalb würden wir bei einem vollständigen BITV-Test neben dem hier vorgestellten PDF weitere, nicht als barrierefrei gekennzeichnete PDFs auf direkte Zugänglichkeit prüfen. Wenn diese tatsächlich nicht barrierefrei sind, wäre der Prüfschritt eher nicht erfüllt.

Bei einem guten Gesamtkonzept könnte die Prüfung dagegen auf die als zugänglich gekennzeichneten PDFs beschränkt werden. Wenn alle für die Prüfung ausgewählten PDFs eine ähnliche Qualität wie die heute vorgestellte "TK Aktuell" hätten, könnte der Prüfschritt insgesamt als "eher erfüllt" bewertet werden.

Internetadresse: http://www.tk-online.de

Getestet von: Wolfram Hell, BIK-Beratungsstelle Hamburg

Getestete Webangebote anderer Krankenkassen:


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Letzte Änderung: 09.02.2010   |   © 2004-2007 DIAS GmbH   |   Impressum   |   Barrierefrei