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Test der Woche vom 28.03.2006
Stadtportal dortmund.de

Nachdem in den letzten Wochen fast ausschließlich Seiten getestet wurden, die in den Geltungsbereich der Bundes-BITV fallen, heute zur Abwechslung ein Stadtportal: dortmund.de. Das Webangebot wurde im Februar grundlegend neu gestaltet, muss also die Anforderungen der Landes-BITV von Nordrhein-Westfalen nicht erst Ende 2008, sondern schon jetzt erfüllen.

Abbildung von dortmund.de

Zum Prüfgegenstand

Im Test der Woche werden normalerweise nur drei Seiten getestet (anders als bei abschließenden BITV-Tests, bei denen weitere Seiten einbezogen werden, wenn das für ein repräsentatives Ergebnis nötig ist). Bei einem vielseitigen Portal wie dortmund.de ist das eigentlich zu wenig, allerdings liefert schon der eingeschränkte Test hier viele Ansatzpunkte für erforderliche Verbesserungen der Barrierefreiheit.

Problematische Weiterleitung

Nach dem Aufruf von http://www.dortmund.de befindet man sich zunächst auf einer vorgeschalteten Seite, die einem die Auswahl zwischen der deutschen Version, der englischen Version oder den Dortmunder Seiten zur Fußball WM 2006 bietet. Leider steht diese Auswahl nur für fünf Sekunden zur Verfügung, dann wird man automatisch auf die deutsche Startseite weitergleitet. Das ist vor allem für Screenreader-Nutzer nachteilig, aber auch für langsame Leser oder internetunerfahrene Besucher, die sich erst orientieren müssen. Daher gilt so eine automatische Weiterleitung als Barriere.

Viele positive Aspekte

Die Startseite macht einen aufgeräumten und modernen Eindruck. Schaltet man das Stylesheet aus, so erkennt man, dass Inhalt und Gestaltung sauber voneinander getrennt wurden.

Ebenfalls positiv:

  • Wesentliche Bedienelemente sind mit Alternativtexten versehen worden.
  • Die logische Struktur der Seite ist mit Hilfe der Überschriften nachvollziehbar.
  • Die Kontraste von Grafiken und Texten sind gut.
  • Anderssprachige Wörter wurden ausgezeichnet.
  • Formularelemente wurden mit dem label-Element ihrer jeweiligen Beschriftung zugeordnet.

Hilfsfunktionen als Barriere

Auffällig ist die Vielzahl von Hilfsfunktionen, die durch Klicken auf die Bedienelemente "Schriftgröße", "Breite / Kontrast" und "Accesskey" ein- und ausgeblendet werden können.

Normalerweise beziehen wir solche Features nicht in den Test mit ein. Denn der Besucher muss sie ja (auf der noch nicht seinen Bedürfnissen gemäß angepassten Seite) erstmal finden und verstehen. Sie funktionieren ja auf jeder Website anders, sehen anders aus, sind auch häufig eher unauffällig gestaltet. Sehr viel wichtiger ist, dass die Seite die entsprechenden Browserfunktionen zur Anpassung der Schriftgröße oder der Farben unterstützt.

dortmund.de versucht, den Schwächen von in den Seiten eingebauten Hilfsfunktionen zu begegnen. Sie sind zwar als Schrifgrafik realisiert, der Benutzer kann also ihre Größe und Farbe nicht an seine Bedürfnisse anpassen. Aber sie sind auffällig im oberen Bereich der Seite platziert. Und es wurde auch versucht, entsprechende Erläuterungen an der Stelle bereit zu stellen, an der sie möglicherweise gebraucht werden.

Klickt man zum Beispiel auf das Bedienelement "Schriftgröße", wird ein vorher versteckter, grau hinterlegter Kasten eingeblendet, in dem drei Schriftgrößenoptionen, zwei Erläuterungstexte und ein Link zum Ausblenden des Kastens angeordnet sind.

Screenshot der Hilfsfunktionen im zugeklappten Zustand
So sieht die Leiste mit den Hilfsfunktionen im Ausgangszustand aus.

Screenshot der Hilfsfunktionen mit ausgeklappten Schriftvergrößerungsfunktionen
Und so sieht sie aus, wenn die Optionen zur Schriftvergrößerung eingeblendet sind.

Wie gesagt: Wenn man diese Funktionen ein zweites Mal auf der Seite anbieten will, ist es sicher konsequent, sie auch prominent zu platzieren und entsprechend zu erläutern.

Die Kehrseite bei dortmund.de:

  • Die Ausführlichkeit geht für manche Benutzer auf Kosten der allgemeinen Verständlichkeit. Bei der Ausgabe ohne Stylesheet wird den eigentlichen Inhalten ein unverhältnismäßig großer Block mit den Texten und Links der Hilfsfunktionen vorangestellt, in dem besonders die "Fenster schließen"-Links verwirren.
  • Ohne Javascript bleiben die Bedienelemente "Schriftgröße", "Breite / Kontrast" und "Acceskey" zwar erhalten, funktionieren aber nicht.
  • Vor allem aber ist die Tastaturbedienbarkeit für sehende Benutzer erheblich eingeschränkt. Man muss genau 30 mal die Tabulatortaste drücken, bis man endlich den ersten sichtbaren Link angesteuert hat. Und das ist zudem noch kaum erkennbar, weil es keine Hervorhebung des Fokus gibt. Die Hilfsfunktionen selbst sind ohne Maus sowieso praktisch nicht bedienbar.

Wenn Hilfsfunktionen wie in diesem Fall selbst zur Barriere werden, müssen sie auch in die Bewertung einbezogen werden. Sie haben daher in mehreren Prüfschritten Punktabzüge verursacht.

Ob es bessere Lösungen gibt? dortmund.de bestätigt jedenfalls die Vorbehalte gegen den Versuch, Browserfunktionen auf Webseiten ein zweites Mal zur Verfügung zu stellen. Für Besucher, die sie nicht brauchen, sind die angebotenen Funktionen vielleicht beeindruckend. Wer aber tatsächlich auf eine alternative Darstellung angewiesen ist, ist mit den entsprechenden Browserfunktionen sicherlich besser bedient. Diese müssen von der Website unterstützt werden, darauf kommt es an.

Weitere Mängel

Wir haben zahlreiche weitere Zugänglichkeitsprobleme gefunden: Unter anderem validieren die Seiten nicht, auf der Startseite gibt es bewegte Inhalte, die aktuelle Position des Fokus wird nur bei Mausbedienung hervorgehoben dargestellt und es gibt keine Alternativen für PDF- oder Office-Dateien.

Fazit

Ein Webangebot mit viel Potenzial, doch leider auch mit vielen Schwächen, die sich für manche Benutzer praktisch bis zur Unbedienbarkeit aufsummieren können.

Getestet von: Detlef Girke, BIK-Beratungsstelle Hamburg
Internetadresse: http://www.dortmund.de/
Testergebnis: 76,5 von 100 Punkten

Getestete Webangebote anderer Städte:


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Letzte Änderung: 01.03.2010   |   © 2004-2007 DIAS GmbH   |   Impressum   |   Barrierefrei