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Ministerientest 2006 / "BITV umsetzen - jetzt!"
Halbjahresbilanz Teil 2: 116 Vortests

In Teil 1 der Halbjahresbilanz wurden die Ergebnisse von 24 in Tests der Woche geprüften Webangeboten der Bundesverwaltung vorgestellt.

In Teil 2 geht es um die Ergebnisse von 116 zusätzlichen Vortests.

Übersicht:


116 Vortests

Quantitative Aussagen zum Stand der Umsetzung der BITV sind auf Basis der 24 Tests der Woche nicht möglich. Daher wurde im August 2006 auf insgesamt 116 Webangebote ein (weniger aufwendiger) Vortest angewendet. Dieser Test dient der groben Einordnung des Standes der Barrierefreiheit von Webangeboten, er ermöglicht anhand von 12 an Prüfschritte des BITV-Tests angelehnten Kriterien eine recht zuverlässige Tendenzaussage.

Geprüft wurden jeweils zwei Seiten in Hinblick auf die folgenden 12 Anforderungen:

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse für die zwölf geprüften Anforderungen:

Kriterium erfüllt teilweise erfüllt nicht erfüllt
Alternativtexte 61% 28% 11%
Keine Schriftgrafiken 64% 22% 14%
Code valide 30% 13% 57%
Keine Layouttabellen 42% 11% 47%
Schriften vergrößerbar 67,5% 10,25% 22,25%
Inhalte strukturiert 24% 55,5% 20,5%
Linearisierbar 90,5% 4,25% 5,25%
Ohne Skripte nutzbar 86,25% 6% 7,75%
Kein Blinken 84,5% 9,5% 6%
Tastaturbedienbar 84,5% 8,5% 7%
Keine veraltete Elemente 25,5% 40% 34,5%
Keine Textversion 89% 0 11%

Ergebnisse für einzelne Anforderungen

Schriften vergrößerbar:

Schon in der Auswertung der Tests der Woche angesprochen wurde die Vernachlässigung der Anforderungen sehbehinderter Benutzer. Dies bestätigt auch der Vortest:

  • Bei sage und schreibe 22,25 % der Sites ist die Schrift nicht im Internet Explorer vergrößerbar
  • Bei weiteren 10,25 % funktioniert die Schriftvergrößerung nur teilweise, Formularfelder bleiben zum Beispiel unverändert.

Wobei zu beachten ist: geprüft wurde nur die Vergrößerbarkeit im Internet Explorer. Nicht geprüft wurde, ob sich die Schrift auch in standardkonformen Browsern ohne Überlagerungen vergrößern lässt. Dass trotzdem über ein Fünftel komplett scheitert, ist eigentlich unglaublich.

Keine Schriftgrafiken:

Ebenfalls problematisch für sehbehinderte Benutzer, die auf flexibles Layout angewiesen sind: der Einsatz von Schriftgrafiken.

  • 14 % setzen viele Schriftgrafiken ein
  • 22 % setzen teilweise Schriftgrafiken ein

Tastaturbedienbarkeit:

  • Knapp 7 % sind mit der Tastatur nicht bedienbar
  • Probleme gibt es bei weiteren 8,5 %

Wobei auch hier zu beachten ist: Es ist nur geprüft worden, ob die Auftritte überhaupt mit der Tastatur bedienbar sind. Nicht geprüft wurde die Unterstützung sehender Tastaturnutzer durch einen deutlichen Tastaturfokus und eine leicht nachvollziehbare Tabulatorreihenfolge.

Keine Textversion:

Textversionen sind nicht der richtige Weg zur Barrierefreiheit. Denn ihre inhaltliche Gleichwertigkeit ist immer fraglich und sie sind überflüssig: kompetente Webagenturen können die Anforderungen der Barrierefreiheit mit guter Gestaltung verbinden. Die BITV ist hier eigentlich sehr klar, insofern ist es erstaunlich, dass 11 % der geprüften Webangebote, darunter auch Ministerien und obere Bundesbehörden versuchen, Barrierefreiheit mithilfe einer Textversion zu erreichen.

Nun zu Anforderungen, die auch von den meisten etwas besser zugänglichen Webangeboten nicht erfüllt werden.

Inhalte strukturiert:

  • Bei 20,5 % sind die Inhalte nicht darstellungsunabhängig strukturiert
  • Bei 55,5 % sind die Inhalte nur zum Teil strukturiert

76 % der geprüften Webangebote erfüllen also eine entscheidende Grundbedingung der gleichwertigen Nutzbarkeit von Webangeboten nicht oder nur zum Teil.

Valider Code:

  • Bei 13 % war immerhin eine der beiden Seiten valide.
  • Bei 57 % war keine der beiden Seiten valide.

Mindestens 70 % der geprüften Webangebote sind also nicht durchgängig valide. Das ist sicher nicht befriedigend. Formale Standardkonformität ist eine wichtige Grundbedingung für Barrierefreiheit, unter anderem, weil sich standardkonforme Seiten leichter für spezielle Ausgabegeräte anpassen lassen. Barrierefreie Webangebote sollten also durchgängig valide sein.

Keine veraltete Elemente:

Ein ganz ähnliches Bild beim Verzicht auf veraltete Elemente und Attribute.

  • 34,5 % verwenden veraltete Elemente oder Attribute, die die praktische Zugänglichkeit insbesondere für Sehbehinderte einschränken
  • 40 % verwenden andere veraltete Attribute

Keine Layouttabellen:

  • 47 % bauen noch voll auf Tabellen.
  • 11 % setzen sie hilfsweise in überwiegend CSS-basierten Layouts ein

Da wirkt sich zum einen sicher der Government Site Builder aus, der erst in der aktuellen Version 3 standardmäßig auf Layouttabellen verzichtet. Zum anderen zeigt es, dass noch recht viele etwas ältere Sites dabei waren.

Gebärdensprachvideos:

Geprüft haben wir auch, ob Informationen als Gebärdensprachvideos oder in leichter Sprache bereitgestellt werden. Die BITV verlangt dies nicht, zumindest bei wichtigen Informationen sollte aber eigentlich auch die Zugänglichkeit für diese Benutzergruppen ermöglicht werden. Nur auf 5 Websites finden sich entsprechende über die BITV hinausgehende Angebote.


Stand der Umsetzung der BITV

Der Vortest prüft nur Ausschnitte des BITV-Tests, daher ist eine genaue Bewertung einzelner Webangebote nicht möglich. Er erlaubt aber eine recht sichere Tendenzaussage. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der 116 geprüften Webangebote auf die Bewertungsstufen des BITV-Tests.

gut oder sehr gut zugänglich eingeschränkt zugänglich schlecht zugänglich
25 Webangebote
(21,5%)
50 Webangebote
(43%)
41 Webangebote
(35,5%)

Immerhin gut 20 % der geprüften Webangebote können bei einem vollständigen BITV-Test ein gutes oder sehr gutes Ergebnis erreichen. Darunter auch recht umfangreiche Angebote wie das Auswärtige Amt, die Bundeswehr und die Barmer Ersatzkasse.

Etwa 43 % der geprüften Webangebote können bei einem vollständigen BITV-Test die Bewertung als "eingeschränkt zugänglich" erreichen. Die im Vortest erfassten Mängel dieser Webangebote betreffen überwiegend die Strukturierung der Inhalte und die Standardkonformität.

Und bei jedem dritten geprüften Webangebot finden sich nach wie vor gravierende Barrieren:

  • 5 % sind nicht linearisiert nutzbar,
  • bei 22 % ist die Schrift im IE nicht vergrößerbar,
  • bei 14 % sind wichtige Inhalte nur als Schriftgrafiken verfügbar,
  • bei 8 % sind wesentliche Inhalte ohne Javascript nicht zugänglich.

Teil 3 der Halbjahresbilanz bespricht das unterschiedliche Abschneiden von Ministerien, Behörden, Versicherungen und anderen der Verordnung unterliegenden Einrichtungen.

Letzte Änderung: 19.10.2007   |   © 2004-2007 DIAS GmbH   |   Impressum   |   Barrierefrei